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Zürich, Schweiz, 27. März 2008 "PrimeLife" – Das
dreijährige Forschungsvorhaben „PrimeLife – Privacy
and Identity Management in Europe for Life“ – bringt
15 führende Expertengruppen aus Universitäten und Industrie
zusammen. Das Projekt steht unter der Leitung des Zürcher
IBM Forschungslabors. Ziel der Forscher ist es, neue Lösungen
zu realisieren und frei zugänglich zu machen, mit deren
Hilfe jeder Nutzer seine persönlichen Daten und Profile
im Internet einfach und sicher kontrollieren kann.
In
der Informationsgesellschaft wollen die Nutzer ihre Autonomie schützen
und die Kontrolle über ihre personenbezogenen Daten bewahren.
Heutige Informationstechnologien berücksichtigen dies meist
zu wenig; sie stellen damit ein Risiko für die Privatsphäre
der Bürger dar. Der zunehmend kollaborative Charakter des
Internets ermöglicht es jedem, Dienste zusammenzustellen sowie
Informationen hinzuzufügen und zu veröffentlichen. Nutzer
hinterlassen im Laufe ihres Lebens unzählige Datenspuren.
Dies kann zahlreiche Nachteile für den einzelnen mit sich
bringen, wie etwa unvorhergesehene Nutzungen der Daten durch Dritte
ohne das Einverständnis der Betroffenen.
Arbeitgeber holen in Profildatenbanken Informationen über
Bewerber ein, noch bevor sie diese zu Bewerbungsgesprächen
einladen. Anbieter sozialer Online-Netzwerke haben bereits in mehreren
Staaten die Details der Einkaufsgewohnheiten oder persönlicher
Vorlieben ihrer Nutzer ohne Einwilligung zweckentfremdet. Solche
Zwischenfälle zeigen die neuen Herausforderungen für
den Datenschutz auf: Wie kann man die Privatsphäre in den
neu entstehenden Internetanwendungen schützen, etwa in virtuellen
Gemeinschaften, in Blogs, oder in sozialen Netzwerken? Und wie
ist überhaupt eine lebenslange Kontrolle über die eigene
Privatsphäre möglich?
Diesen Herausforderungen stellt sich das neue Projekt PrimeLife.
Ziel von PrimeLife ist die Entwicklung eines nachhaltigen Datenschutz-
und Identitätsmanagements für zukünftige Netze und
Web 2.0 Anwendungen.
Zunächst fokussiert PrimeLife auf die Bereitstellung von
skalierbarem und konfigurierbarem Datenschutz- und Identitätsmanagement
für virtuelle Gemeinschaften und Web 2.0-Anwendungen. Ein
zweites, längerfristiges Ziel ist es, die Privatsphäre
der Nutzer über eine ganze Lebensspanne zu schützen.
PrimeLife will den Nutzer dabei unterstützen, lebenslangen
Datenspuren entgegenzuwirken, ohne dabei Funktionalitäten
und Vorteile des Netzes aufgeben zu müssen. „Unsere
Vision ist es, eine Art umfassenden, zentralen elektronischen Daten-
und Identitätsmanager zu entwickeln. Dieser gibt Anwendern
einen genauen Überblick, wo und wann er welche persönlichen
Daten von sich im Laufe seines Lebens im Internet herausgibt“,
erklärt Jan Camenisch, PrimeLife Projektkoordinator vom IBM
Forschungslabor Zürich. Er führt weiter aus: „Die
Herausgabe von Daten und deren Verwendung erfolgt zudem anhand
von Standardeinstellungen sowie personalisierten Datenschutzregeln
für jegliche Art von Internetanwendungen. Sollten persönliche
Daten anderweitig verwendet werden, wird der Benutzer entsprechend
gewarnt.“
Um diese Vision zu realisieren, bedarf es erheblicher Fortschritte
in den zugrunde liegenden Technologien. PrimeLife wird den Stand
der Technik in verschiedenen Bereichen weiterentwickeln – der
Mensch-Maschine-Kommunikation, konfigurierbarer Sprachen zur Beschreibung
von Regeln, der Entwicklung von Web-Diensten, Infrastrukturen und
Kryptographie.
Eine Vielzahl der Konsortialpartner von PrimeLife ist in Industrie-
und Standardisierungsorganisationen aktiv, wie der Policy Language
Interest Group des W3C, der Liberty Alliance, dem ISO/IEC JTC 1
und der ITU-T. Ausserdem wird PrimeLife den Kontakt zu den relevanten
Open-Source-Communities und Forschungsprojekten suchen, um nachhaltige
Projektergebnisse zu erzielen.
PrimeLife ist ein Nachfolgeprojekt des Projektes „PRIME – Privacy
and Identity Management for Europe“, das im 6. Forschungsrahmenprogramm
der EU gefördert wurde. PRIME wird im Vorfeld des PET-Symposiums
am 21. Juli 2008 seine Ergebnisse in einer Abschlusskonferenz an
der Katholischen Universität Leuven in Belgien vorstellen.
Das interdisziplinäre Konsortium von PrimeLife wird koordiniert
vom IBM Forschungslabor Zürich, Schweiz, und besteht daneben
aus folgenden Partnern: Katholieke Universiteit Leuven, Belgien;
GEIE ERCIM, Frankreich; Unabhängiges Landeszentrum für
Datenschutz Schleswig-Holstein, Technische Universität Dresden,
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Europäisches
Microsoft Innovations Center GmbH, Giesecke & Devrient GmbH
und SAP AG, Deutschland; Università degli Studi di Bergamo
and Università degli Studi di Milano, Italien; Stichting
Katholieke Universiteit Brabant, Niederlande; Center for Usability
Research & Engineering, Österreich; Karlstads Universitet,
Schweden; und Brown University, USA.
Über das IBM Forschungslabor Zürich
Das IBM Forschungslabor in Zürich ist der europäische
Zweig der IBM-Forschung, die mit weltweit rund 3500 Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern an acht Standorten die grösste industrielle
IT-Forschungsorganisation darstellt. Das Zürcher Forschungslabor,
das 1956 als erstes IBM Labor ausserhalb der USA gegründet
wurde, hat heute rund 350 Mitarbeiter und vereint mehr als dreissig
verschiedene Nationalitäten. Seit seiner Gründung vor
mehr als 50 Jahren, hat sich das Forschungslabor durch herausragende
technische Innovationen und wissenschaftliche Leistungen, darunter
zwei Nobelpreise, den Ruf einer weltweit führenden Forschungsinstitution
erworben. Das Spektrum der Forschungsaktivitäten reicht von
der physikalischen Grundlagenforschung über die Entwicklung
künftiger Generationen von Prozessoren und Computersystemen
bis hin zu Supercomputing sowie Software und Services, etwa in
den Bereichen Sicherheit und Datenschutz, Healthcare oder Business
Optimization und Transformation.
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