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Bad Honnef, Deutschland, und Rüschlikon, Schweiz, 18. November 2010—Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) hat heute die Physik-Preisträger 2011 bekannt gegeben. Der Robert-Wichard-Pohl-Preis 2011 wird an Dr. Gerhard Meyer vom IBM Forschungslabor in Rüschlikon für „seine bahnbrechenden Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Rastersondenmikroskopie und –spektroskopie“ verliehen, wie es in der Preisbegründung heisst.
In der Medienmitteilung der DPG heisst es weiter:
Seine Experimente ermöglichen die Veranschaulichung chemischer Prozesse. Die Arbeiten umfassen die Abbildung von Molekülorbitalen und die gezielte Manipulationen auf atomarer Skala. Seine eindrucksvollen Ergebnisse stellen einen weiteren Schritt dar, die Welt der Atome begreifbarer zu machen, und haben inzwischen Eingang in Standardlehrbücher gefunden.“
Einblicke in die Nanowelt
Gerhard Meyer vom IBM Forschungslaboratorium Rüschlikon erhält den mit 5.000 Euro dotierten „Robert-Wichard-Pohl-Preis“ der Deutschen Physikalischen Gesellschaft für seine Arbeiten über atomare und molekulare Prozesse auf Festkörperoberflächen. Während des letzten Jahrzehnts hat der 54-jährige Nanowissenschaftler eine Serie von herausragenden Experimenten mit Hilfe der „Rastersondenmikroskopie“ durchgeführt. Ihm ist es dabei gelungen, Atome und Moleküle mit noch nie dagewesener Präzision nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch zu beeinflussen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse könnten Ansatzpunkt sein für neuartige, nur Nanometer große elektronische Bauteile.
Herzstück der Rastersondenmikroskopie ist ein winziger Messfühler, mit dem die Probenoberfläche abgetastet wird. Auf diese Weise konnte der Nanoforscher erstmals eine chemische Reaktion von einzelnen Molekülen in Gang setzen. Überdies greift Meyer auf einen besonderen Trick zurück: Am Messfühler des Mikroskops befestigt er ein einziges Molekül, das dann als eigentliche Sonde dient. Dieser Kunstgriff steigert einerseits die Empfindlichkeit des Mikroskops und eröffnet andererseits neue Experimentiermöglichkeiten. Es gelang ihm so die „Anatomie“, also die chemische Struktur eines Moleküls, in all ihren Feinheiten abzubilden und atomare „Schaltvorgänge“ zu beobachten, bei denen die Atome ihre Position innerhalb eines Moleküls verändern.
Meyers Arbeiten begeistern Physiker, Chemiker und Biologen gleichermaßen. Ergebnis seiner Forschung sind faszinierende Aufnahmen von Atomen und Molekülen, die Lehrbücher illustrieren und die Nanowelt sichtbar machen.
Dr. Gerhard Meyer hat in Hannover Physik studiert und 1987 promoviert. Als Postdoktorand am IBM Thomas J. Watson Research Center in Yorktown Heights hat er neben seinen ersten Experimenten mit dem Rastertunnelmikroskop eine optische Auslesetechnik entwickelt, die dem Kraftmikroskop zum Durchbruch verholfen hat. Danach entwickelte er an der Freien Universität Berlin ein Tieftemperaturrastertunnelmikroskop, das inzwischen weltweit im Einsatz ist. Nach einem zweijährigen Aufenthalt am Paul-Drude-Institut in Berlin zog er in die Schweiz, wo er seit 2002 bei IBM Research in Rüschlikon forscht.
Die Auszeichnung wird im März 2011 während der DPG-Jahrestagung in Dresden überreicht.
Auszeichnung für Beiträge zur Physik von interdisziplinärer Bedeutung
Der Robert-Wichard-Pohl-Preis wird für hervorragende Beiträge zur Physik verliehen, die eine besondere Ausstrahlung auf andere Disziplinen in Wissenschaft und Technik haben, für aussergewöhnliche Leistungen in der Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis, in der Lehre, im Unterricht und in der Didaktik der Physik.
Über die Deutsche Physikalische Gesellschaft
Die Deutsche Physikalische Gesellschaft e.V. (DPG), deren Tradition bis in das Jahr 1845 zurückreicht, ist mit mehr als 58.000 Mitgliedern die grösste physikalische Fachgesellschaft weltweit. Sie versteht sich als Forum und Sprachrohr der Physik und verfolgt als gemeinnütziger Verein keine wirtschaftlichen Interessen. Die DPG unterstützt den Gedankenaustausch innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft, fördert den Physik-Unterricht und möchte darüber hinaus allen Neugierigen ein Fenster zur Physik öffnen. Gegenwärtig hat die DPG neun Nobelpreisträger in ihren Reihen. Weltberühmte Mitglieder hatte die DPG immer schon. So waren Albert Einstein, Hermann von Helmholtz und Max Planck einst Präsidenten der DPG.