Vom 23.8.2002 bis zum 5.9.2002 sind wir (Jana und Guido) per Fahrrad vom Bodensee zum Genfersee geradelt. Hier sind ein paar Eindrücke, Tipps und Planungshilfen, für alle, die auch einmal die Mittellandroute Nr. 5 fahren wollen.
Gesamtlänge unserer Tourvariante: 500,3 km
gefahren in 33.45 Stunden mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 14.95 km/h.
Unsere Planungsunterlagen:
Unser Wetter: einfach genial, nur zweimal morgens vor der Abfahrt und abends nach der Ankunft hatten wir Regen, sonst war es immer trocken, bedeckt bis sonnig. 22 bis 28 Grad.
Start in Cham, ZG, wo wir am morgen gegen 9.15 gemütlich um den Zuger See nach Arth-Goldau radeln (ca. 20 km). Von dort nehmen wir den Zug nach St. Gallen. Kurze Stadtbesichtigung, schön sind vor allem die Erker an den Häusern und die Kathedrale. Von St. Gallen geht es weiter auf dem Konzilsweg und später dem Apfelweg (dieser Name passt wirklich gut zu den vielen Obstwiesen um uns herum) bis Arbon. In Arbon schauen wir uns den kleinen, aber sehr hübschen Marktplatz an (Foto), betrachten im Vorbeifahren die vielen Jugendstilhäuser und den Hafen. Am Hafen treffen wir auf den Radweg Nr. 2 und fahren am Bodensee entlang. Leider ist das ganze Ufer privat, so dass wir den See nur gelegentlich sehen und auch Badegelegenheiten gibt es nur in Arbon oder Romanshorn, wobei wir die letztere am Yachthafen in Romanshorn ausführlich nutzen.
Heute erwartet uns eine abwechslungsreiche Strecke mit leichten Steigungen und Abfahrten. Es geht vorbei an schönen Bauernhöfen, deren Obstverkauf wir nutzen, durch riesige Obstbaumpflanzungen. Erste Pause ist am Wasserschloss Hagenwil (Foto links), das wirklich sehenswert ist. Einen längeren Rundgang machen wir dann später durch die Altstadt in Bischofszell (Foto rechts). Nach dem Bahnhof laufen wir durchs Teufelsgässchen (Rad am Schwimmbad geparkt) runter zur steinernen Brücke über die Thur. Anschliessend geht es herrlich an der Thur entlang nach Wil, leider mit Autobahnlärm auf dem letzten Drittel des Weges. In Wil sehen wir uns die hübsche Altstadt an und machen dann Pause im Cafe Restaurant Schönbühl in der Fussgängerzone (durchaus empfehlenswert). Zum Abschluss des Tages geht es weiter über Sirnach nach Eschlikon, allerdings haben wir etwas Mühe von der Fussgängerzone aus den Radweg wiederzufinden. Freundliche Passanten helfen uns weiter.
Flotte, sehr erholsame Fahrt durch Felder und an der Töss entlang bis zur Kyburg (Foto). 15 Minuten Aufstieg zu Fuss zur Burg, die wir ausführlich besichtigen (sehr lohnenswert). Anschliessend machen wir ein Picknick am Flussufer. Die Besichtigung von Winterthur lassen wir aus und geniessen stattdessen die 17 % Steigung auf 800 m in Richtung Zürich. Unsere nächste Pause machen wir im Swissair Tennisclub in Bassersdorf. Wir finden es noch lustig, auf welchen Schleichwegen man durch Zürich und um den Flughafen gelotst wird und sind froh, dass wir doch noch ein ganzes Stück weg vom Flughafen unsere nächste Station geplant haben.
Im Zickzack Kurs werden wir aus Zürich herausgelotst und fahren in die eher langweiligen Felder des Aargaus. Erste Pause ist ein kurzer Spaziergang in Baden, wo wir besonders die schöne Holzbrücke über die Limmat bewundern (Foto links) und Guido in Kindheitserinnerungen schwelgt. Weiter bis Brugg. In der Migros, direkt neben dem Radweg, können wir Guidos Sattelbruch problemlos beheben und einen neuen Sattel kaufen. Passendes Werkzeug hat die nette Verkäuferin auch und den alten Sattel dürfen wir auch gerade bei ihr lassen. Anschliessend machen wir ein ruhiges Picknick auf einer Friedhofsbank und fahren doch wieder zurück zum Kloster Klosterfelden in Windisch, das aber leider am Montag geschlossen ist. In der Cafeteria der danebenliegenden Nervenklinik sinnieren wir unter einen riesigen, alten Platane darüber nach, was eigentlich normal sei. Weiter geht es an der Aare entlang nach Auenstein.
Wir fahren sehr schön an der Aare entlang bis Aarau und sehen uns dort die Altstadt sowie diverse neue "Stadtmöbel" (Fotos) an. Die bemalten Giebel sind wirklich sehenswert. Hinter Aarau probiert Jana mal aus, wie es sich unter dem Rad liegt. Eine abrupte Bremsung an einer den Radweg kreuzenden Strasse bietet dazu die beste Gelegenheit. Drei hilfsbereite Autofahrer kümmern sich um ein blutendes Knie und wollen uns zum nächsten Bahnhof fahren oder zum Arzt. Ist aber viel weniger schlimm als es aussieht und so sind wir 30 Minuten später in Olten (kurzer Rundgang). Nach Olten folgen ziemlich viele, kurze, aber recht steile Anstiege. Vor Wangen verlassen wir den Radweg 5, der auf eine belebte Strasse wechselt (warum eigentlich?) und fahren lieber direkt an der Aare entlang nach Wangen, das eine schöne Holzbrücke und 2 nette Stadttürme hat.
Am Morgen besichtigen wir zunächst Solothurn, das eine sehr hübsche Altstadt hat. Von Solothurn geht es ziemlich mühelos durch die Wilti-Ebene und danach wieder an der Aare entlang. Hier ist endlich mal ein Ufer nicht privat, sondern es wurde ein öffentlicher Uferstreifen belassen. In Büren an der Aare (Foto links) machen wir einen kurzen Stadtspaziergang und essen unsere Solothurner Torte, die den Transport bis hierher gut überstanden hat. Danach erreichen wir den Bielersee und nutzen den ersten Badeplatz sofort zum Baden. Das ist auch eine gute Idee, denn danach sehen wir den See mal wieder nur gelegentlich hinter Privatzäunen hervorschimmern. Schön allerdings die Seesicht von einer Anhöhe, auf die der Radweg führt (Foto rechts). Am Ende des Bielersees schwenken wir zum Camping in Erlach ab und legen wieder mal eine Picknick- und Badepause ein. Danach geht es weiter auf dem Uferweg nach St. Blaise, wo wir den Radweg 5 verlassen.
Kurz vor dem Ziel bricht Janas Gepäckträger, was sich allerdings mit einem Ledergürtel provisorisch reparieren lässt und bis zum Ende der Tour hält.
Heute sind wir richtig froh, dass wir nach soviel Expo einfach mal nur Rad fahren müssen. Es geht zurück auf den Radweg 5, dann den Rest des Tages durch Mais-, Rüben- und Kartoffelfelder. Zwar abseits der Strassen und sehr erholsam, aber auch irgendwie langweilig. Vom so sehr angepriesenen 3-Seen-Land keine Spur. Einzige Abwechslung die im Zuge der Expo gebaute Rotary-Brücke und das Domspace-Haus (Foto) vor Portalban. In Portalban zweigen wir wieder zum Camping ab und machen unsere übliche Picknick- und Badepause. Sonne, richtiger Strand und vor allem richtig hohe Wellen lassen fast ein Mittelmeer-Gefühl aufkommen. Toll! Der Weg von Portalban nach Estavayer-les-Lacs wird abwechslungsreicher und führt entweder durch den Uferwald oder über Anhöhen mit Seeblick. Estavayer wirkt eher verwaist, schön ist der Yachthafen, erschreckend schmuddelig das Hotel am Hafen - wir fahren weiter bis Yvonand.
Heute morgen beim Frühstück schüttet es wie aus Kübeln und wir finden uns schon fast mit dem Gedanken ab, dass wir heute nass werden. Bis wir allerdings abfahren, ist es wieder trocken. Wieder auf dem Weg 5 fahren wir nach Yverdon, zwischendurch ein kurzer Halt an den Beobachtungstürmen des Naturschutzgebiets am See. Ab Yverdon ist die Strecke langweilig oder etwas für Landwirtschaftsfreunde. Wir fahren durch bis La Sarraz. Das Schloss und die im Velobuch angepriesene Kirche mit dem zerfressenen Franz hören sich vielversprechend an, sind aber leider nur am Wochenende zu besichtigen. Also fahren wir wenigstens den kleinen Umweg zur Schlucht La Tine de Conflens - die ist wirklich ganz nett (Foto).
Abends gegen 18.00 haben wir es geschafft und stehen am Genfer See, der fast wie ein Meer wirkt. Wir springen in die Fluten und fahren danach am Ufer entlang zum Hotel.
Wir fahren durch den Uferpark zum Bootshafen und haben wieder einmal riesiges Glück, da wir das einzige Schiff nach Genf um 11.00 Uhr noch gerade so erreichen. Das Wetter ist mal wieder ein Traum und so fahren wir 7 Stunden lang spazieren bis wir um 18.00 wieder in Lausanne sind. Für 4 Franken kann auch das Rad mitgenommen werden und hätten wir noch mehr Zeit, dann wäre eine Radtour auf der französischen Seite sicherlich auch ganz interessant. So gehen wir am Abend aber noch in die Stadt, was wir gar nicht so lohnend fanden, da wir es nur bis kurz hinter den Bahnhof schaffen. Erst bei einem späteren Besuch in Lausanne entdecken wir die wirklich sehr schöne Altstadt richtig. Sehr lohnenswert, insbesondere bei guter Sicht, ein Blick vom Turm der Kathedrale.