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Rüschlikon, 13. September 2007IBM-Forscher Tobias Kraus wurde gestern auf der Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Optik und Mikroskopie (SSOM) in Basel für seine Arbeiten über Anordnung und Drucken von Mikro- und Nanopartikeln ausgezeichnet. In Zusammenarbeit mit der ETH Zürich (Prof. Nicholas D. Spencer) entwickelte er eine vielseitige Druck-Methode für die effiziente Integration einer grossen Anzahl kleinster, funktionaler Partikel in mikrotechnisch gefertigte Bauelemente.
IBM-Forscher
Tobias Kraus (rechts) bei der Preisverleihung mit
SSOM Präsident
Kurt Pulfer (links) und Harry Heinzelmann,
Vorsitzender der
Sektion Nanotechnologie (mitte).Der SSOM-Preis würdigt Tobias Kraus wissenschaftlichen
Beitrag, der zwei Felder zusammenbringt: die chemische Synthese,
mit der sich Nanopartikel kosteneffizient in grossen Mengen herstellen
lässt, und konventionelle Herstellungsverfahren, mit der heute
Strukturen auf der Mikro- und Nanoskala gefertigt werden. Mit der
von ihm entwickelten Druck-Methode könnten chemisch
produzierte Nanostrukturen künftig als Bausteine für elektronische
Komponenten, in bioanalytischen Anwendungen oder für optisch
aktive Materialien genutzt werden. So platzierte Tobias Kraus mit
Hilfe seines Verfahrens zum Beispiel katalytisch aktive Nanopartikel
aus Gold geordnet und präzise auf Siliziumoberflächen,
um damit Silizium-Nanodrähte wachsen zu lassen. Solche Nanodrähte
könnten in künftigen Computerchips zum Einsatz kommen.
Bei seiner Druck-Methode verwendet er einerseits ein Verfahren, das mit einem Templat einer Druckplatte eine grosse Anzahl von Partikeln anordnet. Mittels in-situ Mikroskopie ist es möglich, Einsicht in die Dynamik dieses Anordnungsvorgangs zu gewinnen und dadurch eine hohe Effizienz und Genauigkeit zu erzielen. Die angeordneten Partikel werden dann auf ein Zielsubstrat gedruckt. Für diesen Vorgang nutzt Tobias Kraus kontrollierte Adhäsionskräfte, die von spezifisch vorbereiteten Oberflächen auf die Partikel ausgeübt werden.
Die einzigartige Methode ermöglicht selbst das Drucken von bis zu 60 Nanometer kleinen Partikeln in beliebigen Anordnungen. Dieser Forschungserfolg wurde jüngst in dem renommierten wissenschaftlichen Magazin Nature Nanotechnology publiziert. [1]
Tobias Kraus ist seit 2004 am IBM Forschungslabor Zürich tätig, anfangs im Rahmen seiner Doktorarbeit an der ETH Zürich, wo er dieses Jahr bei Prof. Nicholas D. Spencer promovierte. Von 1999 bis 2004 absolvierte er sein Studium als Chemieingenieur an der Technischen Universität München. Während dieser Zeit hatte er Forschungsaufenthalte am M.I.T. in Cambridge, USA, sowie am Institut für Mikrotechnik in Neuchâtel, Schweiz. Wissenschaftlich beschäftigt er sich mit Stofftransportphänomenen auf mikroskopischen und nanoskopischen Skalen und deren Anwendungen in Wissenschaft und Technologie.
Die Schweizerische Gesellschaft für Optik und Mikroskopie vergibt seit sieben Jahren in zweijähriger Folge Forschungspreise für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Dieses Jahr wurden drei Preise für hervorragende Arbeiten auf den Gebieten der Photonik, Optik, sowie Nanotechnologie bzw. Nanowissenschaft vergeben. Die Preise sind mit je 5000 Schweizer Franken dotiert.
[1] "Nanoparticle printing with single-particle resolution", Nature Nanotechnology, Vol 2, No 9, pp. 570 - 576. Mehr Informationen zu dieser Arbeit finden sie hier.
Über die Schweizerische Gesellschaft für Optische Mikroskopie
Die Schweizerische Gesellschaft für Optik und Mikroskopie (SSOM) vertritt die Schweizerischen Interessen und Aktivitäten in den Bereichen Optik, Mikroskopie und Nanotechnologie in nationalen und internationalen Organisationen. Die SSOM wurde 1949 gegründet und unterstützt seitdem die Entwicklung in Optik und Mikroskopie indem sie Interdisziplinarität fördert und Wissenschaftlern sowie Ingenieuren aus unterschiedlichen Gebieten eine gemeinsame Plattform bietet. Sie gehört der Schweizer Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT) und der Schweizer Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) an.
Über das IBM Forschungslabor Zürich
Das IBM Forschungslabor in Zürich (ZRL) ist der europäische Zweig der IBM-Forschung, die mit weltweit rund 3500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an acht Standorten die grösste industrielle Forschungsorganisation darstellt. Das Zürcher Forschungslabor hat derzeit 320 MitarbeiterInnen und vereint mehr als dreissig verschiedene Nationalitäten. Das Forschungslabor wurde 1956 gegründet und ist bekannt für seine herausragenden technischen Innovationen und wissenschaftlichen Leistungen, darunter zwei Nobelpreise. Das Spektrum der Forschungsaktivitäten reicht von der technischen Grundlagenforschung über die Entwicklung von Computersystemen und Software bis zum Entwurf neuartiger Geschäftsmodelle und Dienstleistungen.